Mitte März, da war doch was … ? Mit zunehmendem Alter gibt es Momente, in denen einem der Kalender plötzlich ins Auge fällt – als ob ein bestimmtes Datum eine ganz besondere Geschichte zu erzählen hätte. So erging es mir, als Mitte März 2025 nahte. Plötzlich dämmerte es: Am 15. März 2015, exakt vor zehn Jahren, feierte der Film „Heinz Flohe – der mit dem Ball tanzte“ im bis auf den letzten Platz gefüllten Residenztheater in Köln seine Premiere.
Ein unvergesslicher Tag
Dieser Tag sollte mir für immer in Erinnerung bleiben. Damals hatte sich Frank Steffan, der umtriebige Kölner Verlagschef und Filmemacher, in den Kopf gesetzt, das außergewöhnliche Leben und
Wirken des genialen Fußballers Heinz Flohe – der im Juni 2013 verstarb – in einem Film zu verewigen. Ich erinnere mich noch gut an unsere lange Autofahrt (von einem
FC-Fanclub in der Eifel zurück nach Köln), als Frank mir voller Enthusiasmus seine Pläne im Herbst 2013 vorstellte. Mitreißend und kompromisslos wollte er nicht nur kleckern, sondern
gleich klotzen – viele noch lebenden Flohe-Mitspieler, Zeitgenossen und Experten aus ganz Deutschland und darüber hinaus sollten zu Wort kommen. Natürlich stellten sich dabei auch Fragen der
Umsetzbarkeit und Finanzierung, doch für Frank stand sein Herzensprojekt an erster Stelle. Das musste irgendwie geschafft werden und ich war direkt Feuer und Flamme und war bereit alles zu tun,
um das Projekt zu unterstützen. Also redete ich Frank natürlich gut zu und tat nichts, um ihn von dieser irren Idee abzubringen.
Eine gemeinsame Leidenschaft
Frank und mich verbindet schon immer die tiefe Bewunderung für Heinz Flohe – unser Idol, der mit unnachahmlicher Kreativität, Kraft und purer genialer Technik den
Fußball in ein fast schon poetisches Schauspiel verwandelte. Für mich symbolisierte sein Name die Liebe zum Fußball selbst. Die Vorstellung, diese einzigartige Magie in einem Film visuell
festzuhalten – mit Bildern aus einer längst vergangenen Ära, die so weit entfernt von den heutigen Standards war – erschien uns wie eine monumentale, aber überaus reizvolle Aufgabe. Frank war
darüber hinaus mit Flohe in Kontakt gewesen, nach seiner Fußballerkarriere hatte sich gar eine lose Freundschaft zwischen den beiden entwickelt. Ich hingegen durfte ihn nie persönlich
kennenlernen, wenn man von einem mit klopfenden Herzen abgeholten Autogramm in meinen Kindheitstagen einmal absieht. Zwar war im Frühjahr 2010 durch Initiative der mit Flocke befreundeten Familie
Schaffrath gar ein "FC-Stammtisch Talk" mit ihm in Euskirchen geplant gewesen. Aber dazu kam es nie, da Heinz Flohe bekanntermaßen kurz darauf auf der Straße zusammenbrach und bis zu seinem Tod
im Wachkoma lag.
Hinter den Kulissen
Während Frank mit seinem Kameramann John Seidler und zusätzlichen engagierten Mitstreitern 33 Interviewpartner – von Günter Netzer, Lukas Podolski über Toni Schumacher und Franz Beckenbauer
bis hin zum damaligen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach – für das Projekt gewann und für Podolski sogar bis nach England reiste, übernahm ich die auch nicht eben kleine Aufgabe, zahllose
Spielszenen zu sichten und aufzubereiten. Nächtliche Tauchgänge in das sagenumwobene digitale Archiv des deutschen Fußballs offenbarten mir beeindruckende Aufnahmen, die meine längst gehegte
Begeisterung nur noch mehr bestätigten. Recherche kann richtig Spaß machen!
Denn mir gingen fast die Augen über, ob der genialen Fußballkunststücke früherer Tage des 1. FC Köln und so suchte ich in unzähligen nächtlichen, leicht kölsch-geschwängerten Sitzungen vor dem Monitor unfassbar viele Szenen die belegten, dass wir hier nicht von einer nostalgischen Überhöhung aus Kindheit- und Jugendtagen sprechen, sondern von realen Darbietungen eines fußballerisch hochbegabten Ausnahmetalents. Zwar fanden aus Zeit- und Kostengründen mehr als 30 Minuten Material nicht den Weg in den Film, doch jede einzelne Szene, die sich später im Endprodukt fand, stand für den unvergleichlichen Glanz einer Ära, in der Fußball noch mit einer ganz anderen Magie gespielt wurde.
Das kam im späteren Film stark rüber, was neben der fußballerischen Spielkunst auch am passenden Rahmen lag, den die Filmcrew schaffte. Würdigen muss man an dieser Stelle zum Beispiel die Musik des in Berlin lebenden Kölners Dirk Schlömer (vormals "Ton, Steine, Scherben"), ein Sound, der sich wunderbar rockig und damit auch ein wenig untypisch-kölsch (was gewollt war) regelrecht in den Film einschmiegte. Dazu gesellt sich auch der wichtige Schnitt, der 1A passte, eine Arbeit die oft unterschätzt wird. All diese Zutaten zusammen ergaben letztlich - ich darf es sagen, weil ich an diesem Prozess nicht beteiligt war - ein Meisterwerk unter der Regie von Frank Steffan. Doch das konnte man zum Zeitpunkt vor der Premiere noch nicht ahnen.
Die Premiere – Emotion pur
Als dann der Tag der Premiere anbrach, saß ich mit meiner Familie weit hinten im großen Saal des Residenz-Kino und hielt den Atem an – voller gespannter Erwartung, ob all die harte Arbeit sich in
einem Erfolg vor Publikum manifestieren würde. Frank und ich als Moderator eröffneten den Abend gemeinsam auf der Bühne, wo er mit einer emotionalen Begrüßungsrede das Publikum in seinen Bann zog
( hier zu sehen/hören ).
Der Film selbst entfaltete sich im Anschluss wie ein lebendiges Mosaik aus Lachen, Staunen und Tränen und zum Glück waren auch meine Parts, als einer der 33 Interviewpartner, vor den Augen meiner Familie kein Moment, der großartig abfiel. Bei allem, was man als lokaler TV-Moderator schon erlebt hatte, in Großaufnahme auf der Kinoleinwand sieht man sich selbst auch nicht jeden Tag und ich atmete danach erleichtert auf, dass auch in dieser Hinsicht alles gut gegangen war.
Die Zuschauer erlebten nun viele magische Momente, auf die sie auch vernehmbar reagierten – von herzlichem Applaus bei schönen Toren, staunendem Raunen bei besonders geglückten Kunststücken des Haupt-Protagonisten bis zu Augenblicken, in denen einem förmlich die Gänsehaut über den Rücken krabbelte. Dank der eindrucksvollen Umsetzung wurde Heinz Flohe als genau das präsentiert, was er war: Ein Fußballheld, der den geliebten Sport in seiner schönsten Form zum Leuchten brachte und dabei immer "Mensch" geblieben war. Mit all seinen vielen Facetten. So wurde aus einem bundesweit fast vergessenen Namen eine noch größere kölsche FC-Legende als bisher. Der Film hatte die Leute dank seiner Machart, verbunden mit dem Können des einzigartigen Fußballers und seiner am Ende tragischen Geschichte, erkennbar tief berührt. Als am Ende stehende Ovationen von großen Teilen des Publikums gewährt wurden, … ja wer hätte da nicht Gänsehaut bekommen, wenn man ein Teil derjenigen war, der mit dafür sorgen durfte, diese Fußball-Ikone in der Form, wie sie es verdiente, zu präsentieren.
Besonders gefreut hat mich das gelungene Ergebnis vor allem für diejenigen im Publikum, die sich per Crowdfunding an der nicht ganz einfachen Finanzierung des Projekts beteiligt hatten. Deren wichtiger Beitrag am Zustandekommen der Doku soll keineswegs zu kurz kommen.
Ein nachhaltiges Vermächtnis
Die mediale Resonanz ließ nicht lange auf sich warten und in der Folge begab sich die Doku - neben den vielen großen und kleinen Veranstaltungen im Rheinland - auch
auf große Reise: Von München, wo der Film im „Stadion an der Schleissheimer Strasse“ vor ausverkauftem Hause gefeiert wurde, bis hin nach Hamburg, wo eine Flohe-Party unter Mitwirkung des
damaligen St. Pauli-Managers Andreas Rettig stattfand – der Film setzte überall positive Akzente. Beim 11 Millimeter Fußball Filmfestival in Berlin wurde er als beste deutsche Produktion
ausgezeichnet, als er sogar den Messi-Film und die groß beworbene BVB-Story hinter sich ließ. Ein Jahr später wurde der Film beim 11mm Festival erneut vorgeführt und im Anschluss sogar im
Deutschen Bundestag präsentiert. Dort bewies er vor vielen bekannten Polit-Größen seine nachhaltige Wirkung wie später auch im Deutschen Fußball-Museum in Dortmund. Ein prägnantes Zitat aus dem
„kicker“ fasst die Faszination für die Doku treffend zusammen:
„Gibt es während eines Films Momente, in denen man vor Vergnügen in Leinwand oder Bildschirm kriechen und betteln möchte: ‚Lass’ dass bitte nie vorübergehen‘, dann weiß man, dass es ein guter Film ist.“
Zurück zum Premierenabend am 15.3.2015: Nach all den offiziellen Programmpunkten ließ der Abend in einem spanischen Restaurant ausklingen, wo sich die Filmcrew in geselliger Runde über den Erfolg austauschte und die Anspannung vor der Premiere von dannen zog. Resultat: Ein unvergessener Tag fand einen ebensolchen würdigen Abschluss.
Ein Kapitel meines Lebens
Für mich persönlich ist die Mitwirkung an diesem Film ein echter Meilenstein – ein emotionales und stolzes Kapitel meiner Biographie. Frank Steffans Herzensprojekt hat nicht nur das Andenken an
einen unvergesslichen Fußballhelden wiederbelebt, sondern auch gezeigt, wie viel Leidenschaft und Magie in diesem Sport stecken kann. Heute wird die Dokumentation noch immer auf DVD gekauft und
bei Veranstaltungen – die nach wie vor regelmäßig stattfinden - bereits selbst als „historische Erinnerung“ gefeiert – ein lebendiges Zeugnis, das weit über seinen Entstehungszeitraum
hinauswirkt.
Zum krönenden Abschluss erinnere ich an die Worte der Süddeutschen Zeitung:
„Nach 104 Minuten in der Welt von Heinz Flohe, der im Juni 2013 nach drei Jahren im Wachkoma verstorben ist, bleibt einzig die Frage: Warum gibt es in Deutschland nicht mehr Sportfilme dieser Art?“
Diese Frage hallt noch heute nach – und erfüllt mich mit tiefer Dankbarkeit und Stolz, Teil dieses einzigartigen Projekts gewesen zu sein, welches vor nun genau 10 Jahren der Öffentlichkeit präsentiert wurde.
Es war ein großer Tag!